Das Geisterhaus by Isabel Allende

By Isabel Allende

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Never Knowing - Endlose Angst. Thriller

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Die Damen gingen in den Salon, wo die Stühle im Kreis aufgestellt worden waren, damit man in aller Bequemlichkeit weinen konnte, den Tod eines anderen Menschen als Vorwand benutzend, um eigenen Kummer loszuwerden. Es wurde viel geweint, aber würdig und schweigend. Einige Frauen sprachen leise Gebete. Die Dienstmädchen boten in den Salons und auf den Gängen Tee und Cognac an, den Damen frische Taschentücher, eingemachtes Obst und kleine, in Ammoniak getränkte Kompressen, falls einer von ihnen in der stickigen Luft vom Kerzengeruch und aus Kummer schwindlig wurde.

Dreißig Stunden war ich unterwegs, ohne etwas zu essen, sogar den Durst vergaß ich, aber ich erreichte das Haus del Valle noch vor der Beerdigung. Völlig verstaubt, ohne Hut, schmutzig und unrasiert, durstig und zornig sei ich ins Haus gekommen, sagten sie, und hätte nach meiner Braut gerufen. Die kleine Clara, damals ein mageres, häßliches kleines Mädchen, kam mir über den Patio entgegen, nahm mich an der Hand und führte mich schweigend ins Eßzimmer. Da lag Rosa in der weißen gefältelten Seide in ihrem weißen Sarg, drei Tage nach ihrem Tod nicht nur nicht entstellt, sondern tausendmal schöner, als ich sie in Erinnerung hatte, denn Rosa hatte sich im Tod unmerklich in die Sirene verwandelt, die sie heimlich immer gewesen war.

Meine Enkelin hat mich einmal gefragt, wie ich es ausgehalten habe, so lange allein und fern von aller Zivilisation zu leben. Ich weiß es nicht. Aber in Wirklichkeit muß es für mich leichter zu ertragen gewesen sein als für andere, weil ich kein geselliger Mensch bin, ich habe wenig Freunde und mag keine Feste und Feiern, im Gegenteil, allein fühle ich mich wohler. Es fällt mir schwer, mit anderen Menschen warm zu werden. Damals hatte ich noch nie mit einer Frau zusammengelebt, also konnte ich auch nicht vermissen, was ich nicht kannte.

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