Der Weg nach ganz oben: Karriereverläufe deutscher by Andreas K. Gruber

By Andreas K. Gruber

Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der politischen Führun- auswahl in der Bundesrepublik Deutschland. Der Grund, wieso sich der Verf- ser gerade für dieses Thema entschieden hat, ist ein sehr einfacher. Eigentlich könnte guy sagen, der Grund ist ein Buch, und zwar Dietrich Herzogs Werk „Politische Karrieren – Selektion und Professionalisierung politischer Führun- gruppen“ aus dem Jahr 1975. Dieser Meilenstein der Rekrutierungsforschung hat den Verfasser seit der ersten Lektüre nie wieder richtig losgelassen. Dies lag zum einen an dem interessanten Gedanken einer ‚Karriere’. Wer träumt nicht von der eigenen Karriere oder bewundert Menschen, die – wie es so schön heißt – ‚K- riere gemacht’ haben. Zum anderen könnte guy einen gewissen Periodeneffekt anführen. Die Themenauswahl fiel in eine Zeit, in der es an Beispielen un- wöhnlicher politischer Karrieren nicht zu mangeln schien. Von publizistischer Seite wurde gerade in der Zeit eine Häufung außergewöhnlicher Karriereverläufe konstatiert, als es 1998 zur Bildung der ersten rot-grünen Regierungskoalition kam. Wer dachte in dieser Zeit nicht sofort bei dem Begriff Karriere an einem am Kanzleramt rüttelnden Niedersachsen, der schließlich sein persönliches okay- riereziel erreichen konnte? Oder an einen Taxi fahrenden Schulabbrecher und ehemaligen Steinewerfer, der im Laufe seines politischen Wirkens zum beli- testen deutschen Politiker wurde? Hier schließt sich der gedankliche Kreis. Wer politische Karrieren als ‚ungewöhnlich’ etikettiert, der wird sich selbst dabei ertappen, dass er in seinem Kopf ein Bild augenscheinlich gewöhnlicher Karr- ren hat.

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2 noch ausführlicher behandelt. Zahlreiche Untersuchungen der politischen Elite operieren mit dem Ansatz Herzogs und dem Konzept der Positionseliten. Zu nennen wären beispielsweise die Untersuchung von Spitzenpolitiker durch von Beyme (vgl. von Beyme 1971), die Arbeit Langes über Mitglieder westdeutscher Landesregierungen (vgl. Lange 1976), Holls Analyse westdeut- 31 scher Landespolitiker (vgl. Holl 1990), die Untersuchung von Parlamentariern in den ostdeutschen Bundesländern von Derlien/Lock und Lohse (vgl.

Dies ist vor allem zu beobachten, wenn politische Skandale, Korruption oder umstrittene Diätenerhöhungen der Abgeordneten die Schlagzeilen dominieren. Mit „politischer Klasse“ wird zudem versucht, den Parteienstaat als Ausprägung der Parteiendemokratie zu kritisieren. Demnach würde die Gesellschaft mehr und mehr durch das Kartell politischer Parteien kolonialisiert (vgl. von Beyme 1993: 58ff). Einen weiteren Angriffspunkt sehen Borchert und Golsch im Verfall der Opposition. Dies werde am zunehmenden Verwischen erkennbarer programmatischer Unterschiede zwischen den Parteien deutlich, was nicht zuletzt an den Zwängen und Restriktionen der internationalen Ökonomie liege.

Dazu kommt nach Burmeister noch, dass Parteien Regelungen geschaffen haben, um die Konkurrenz durch andere Organisationen der politischen Personalrekrutierung wie beispielsweise freie Wählervereinigungen auszuschalten (vgl. Burmeister 1993: 58; Herzog 1975: 184). Geißel, Edinger und Pähle schließen sich dieser Sichtweise an: „Die Funktion der Schließung und Selektion übernehmen in der Politik die Parteien. “ (Geißel/Edinger/Pähle 2004: 39) Gegen den Professions-Charakter der Politik spricht der fehlende staatliche Schutz vor unbefugten Konkurrenten, die vierte Stufe in Wilenskys Schema.

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