Die Römische Kaiserzeit by Werner Dahlheim

By Werner Dahlheim

Werner Dahlheim ist einer der bekanntesten Althistoriker nicht nur Deutschlands und ausgewiesener Kenner der Römischen Geschichte. Sein Buch über die Römische Kaiserzeit ist wie immer exzellent geschrieben und ein Lesevergnügen. Ausgehend von der Usurpation Augustus entfaltet Dahlheim die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Welt des Imperiums. Wie funktionierte die römische Monarchie? Welche Eliten hatten das Sagen? Wie lebten die römischen Bürger? Dahlheim geht außerdem ein auf die Rolle der Armee und die Ausgestaltung des Imperiums und schildert schließlich das Christentum von seinen Anfängen, den Zeiten der harten Verfolgung bis zum Wandel zur Staatsreligion.

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Vor dem dritten Jahrhundert hat niemand die Probe aufs Exempel ernsthaft versucht. Die Aristokratie hatte daran am allerwenigsten Interesse, da der Monarch im Grunde tat, was auch sie wollte und immer gewollt hatte: Er sicherte die bestehende soziale Ordnung und teilte die Herrschaft über das Reich so mit ihr, dass dem aristokratischen Betätigungsdrang und seinem Hunger nach Macht und Ehre Genüge getan war. Verändert hatten sich der Ausgangs- und der Bezugspunkt der Machtausübung. Ihr Mittelpunkt war nicht mehr der Senat, sondern der Kaiser.

Mit dieser grundlegenden Reform des gesamten Finanzwesens kam Ordnung in die Kassen, und es zeigten sich die Konturen einer Finanzverwaltung, die der Republik immer fremd geblieben war. Zugleich wurde die dem Ritterstand von jeher eigene Erfahrung im Finanz- und Geschäftswesen für den Staatsdienst nutzbar gemacht. Nicht umsonst hatten ritterliche Gesellschaften als Steuer- und Zollpächter (publicani) in der Republik auf ihre Weise die Provinzen ausgeplündert: Was sie 51 dort gelernt und was sie dabei an Reichtum angehäuft hatten, konnte dem monarchischen Staate jetzt um den Preis einer angesehenen Laufbahn im Dienste des Kaisers und um den Preis einer standesgemäßen Besoldung integriert werden.

Inhaltlich bedingte die Notwendigkeit, den mit dem Kaiserkult gegebenen Bruch mit der römischen Tradition nicht zu offenkundig werden zu lassen, eine Form der Verehrung, die über die Heiligkeit des Monarchen keine Aussage machte. Der politische Zweck forderte dies ebenso wenig wie die religiöse Tradition, die im formalen Kultvollzug immer die entscheidende Kommunikation mit den Göttern gesehen und daraus die erfolgreiche Unterwerfung unter den göttlichen Willen abgeleitet hatte. Anders: Weder band der Kaiserkult die persönlichen religiösen Gefühle der Menschen noch war eine bestimmte Gottheit in besonderer Weise dem Kaiser und seiner Verehrung verbunden; erst im christlichen Rom wurde die Dreieinigkeit die offizielle und allgemein verbindliche Gottheit des Imperiums.

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