Hellas und der Orient: Phasen wechselseitiger Rezeption by Albrecht Dihle

By Albrecht Dihle

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Aber Sprachkenntnisse dienten den Erfordernissen des praktischen Lebens. Um der Bildung willen eine Fremdsprache zu erlernen, ist offenbar keinem Griechen eingefallen, während die Römer die Kenntnis des Griechischen als unabweislichen Bestandteil höherer Bildung betrachteten. Man spekulierte über den Symbolwert der Hieroglyphen und kam dabei gelegentlich auf zutreffende Einsichten, aber entdeckte nie, dass sie auch Phoneme wiedergeben. 76 Die indischen Wörter in der griechischen Lexikographie kommen nicht aus dem Sanskrit, sondern sind mittelindischer Herkunft.

48 Zur heroischen Welt gehören der Kampf zu Fuß und der Gebrauch des Streitwagens, was offenbar den Verhältnissen im bronzezeitlichen Hellas entspricht. Aber was die Verwendung des Streitwagens betrifft, so ist Homers Schilderung alles andere als zutreffend. Die Verhältnisse in den orientalischen Reichen, von denen man seit dem 8. Jh. zweifellos mehr als in den Dunklen Jahrhunderten wusste, wurden nicht herangezogen, um das zu korrigieren oder auf den neuesten Stand zu bringen. Die heroische Welt, wie sie die mündliche Dichtung in Jahrhunderten geformt hatte, blieb resistent gegenüber wesentlichen Veränderungen, obwohl auch Homer so wenig wie der Dichter des Nibelungenliedes in jeder Einzelheit Erfahrungen und Auffassungen in seiner Umwelt aus dem Bericht über die aus seiner Sicht ungleich großartigere und erhabenere Vergangenheit heraushalten konnte.

Die gegenüber früheren Lebensbedingungen mobiler ge85 W. Burkert, Griechische Religion der archaischen und klassischen Periode, Stuttgart 1977. Hellas und der Orient 45 wordene griechische Bevölkerung des Ostens geriet unweigerlich in eine Verflechtung mit den am jeweiligen Ort herrschenden religiösen Traditionen. Dass Götter für ihre Stadt bzw. ihr Gebiet auch über einen Wechsel der politischen Herrschaft hinaus zuständig waren und auch vom Neuankömmling Verehrung beanspruchten, entsprach überall antiker Auffassung.

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